| GARTENSCHNECK - EST. ANNO 2020 |


MONATLICHE GARTENBERICHTE

AUS UNSEREM NATURNAHEN HAUSGARTEN

IN SÜDNIEDERSACHSEN & GARTENTIPPS

Im Garten wächst mehr, als man gesät hat.

- aus England


Herzlich willkommen und hereinspaziert! 
Folge einfach dem Gartenweg und sieh dich in Ruhe um.
Doch Vorsicht, hier kriechen überall Gartenschnecken herum. Die bunten Exemplare wurden vom Künstler OTTMAR HÖRL gestaltet. Die tun nix, die wollen nur spielen. Solltest du Nacktschnecken finden, darfst du sie gerne einsammeln und mitnehmen. Nicht alle SCHNECKENARTEN sind Schädlinge, deshalb bitte achtsam mit ihnen umgehen und ggf. die Pflanzenauswahl überdenken. Schneckenkorn ist ein Gift, das auch andere Tierarten oder die unter Naturschutz stehende Weinbergschnecke vernichten kann und gehört bitte nicht in einen naturnahen Garten.
In den USA werden Schnecken neuerdings zum HAUSTIER erklärt...ob dieser Trend auch Europa erreichen wird? 
Wer Gefallen an diesem Gedanken findet, hat vielleicht auch Freude an dem berührenden Buch DAS GERÄUSCH EINER SCHNECKE BEIM ESSEN von Elisabeth Tova Bailey. Auf der Homepage der Autorin gibt es entsprechende HÖRBEISPIELE und selbst der BOOKTRAILER ist ungemein entspannend…4:32 Min um eine Schnecke in ihrer stillen Langsamkeit zu beobachten. 

Unser 450 Quadratmeter kleiner Hausgarten befindet sich in Göttingen, in Südniedersachsen. 
In mittlerweile zweiter und dritter Generation werden dort blühende Stauden, duftende Rosen, etliche Buchskugeln und andere Gehölze gärtnerisch versorgt. Die jüngste, vierte Generation pult bevorzugt frische grüne Erbsen aus den Schoten und hilft gerne beim Gießen. 
Mit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 habe ich wieder, wie schon zuvor die Großeltern und Eltern, Gemüsebeete und zusätzlich ein HOCHBEET, zusammen mit Naschobststräuchern und Rhabarberpflanzen angelegt. Es ging mir dabei zum einen um die Selbstversorgung durch eigene Ernten aus dem naturnahen Garten, zum anderen diente das Gärtnern der seelischen und körperlichen Gesunderhaltung während des ersten Lockdowns und nun auch darüber hinaus. 
Hier wird erklärt, warum THE IMPULS TO GARDEN IN HARD TIMES HAS DEEP ROOTS
Und in dieser deutschen Sammlung GARDENS IN THE TIMES OF CORONA findet man auch ein Essay von mir.
Gartentherapeut ANDREAS NIEPEL erläutert sehr gut, warum der Garten „das perfekte Übungsgelände für Katastrophen aller Art“ ist. 
Da man sich wunderbar durch andere Gärten inspirieren lassen kann, lohnt sich allemal der BLICK ÜBERN GARTENZAUN.
In der Kategorie HÖREN & SEHEN habe ich einige Links gesammelt, die Lust auf‘s Gärtnern bereiten und während den Lockdownzeiten Ablenkung bieten. 

Über persönlichen gärtnerischen Austausch freue ich mich sehr!
Hinterlass mir dafür einfach einen Kommentar oder schreibe eine SCHNECKENPOST

Allzeit eine Handbreit Erde unterm Spaten, 
Stefanie 

Ich weise hiermit darauf hin, dass alle verlinkten Seiten, die Vorstellung von Produkten, die Nennung von Lieferanten sowie die Markennennungen unbeauftragte und unbezahlte Werbung aus Überzeugung sind. Ich gehe keine bezahlten Kooperationen ein. 

VORSCHAU AUF DIE KALENDERBLÄTTER


Hülle, Fülle und eine große Leere

Das letzte Kalenderblatt schrieb ich Ende Juni. Meine naive Vorfreude auf die nahen Sommerferien war groß und der Garten machte in der Zwischenzeit sein Ding: Einigen Gemüsesorten und Stauden bekam der Wechsel aus Wärme, kühleren Tagen, Trockenphasen und Regenperioden offenbar ganz gut…Madame Zucchini breitete sich hemmungslos aus und versorgt uns mit immer neuen Blüten und Früchten, Platz genug hat sie in ihrem Beet. Den Tomaten fällt es in diesem Jahr deutlich schwerer zur Reife zu gelangen, dafür sind die ersten Chocolate Chilischoten fast erntereif. Die meisten goldgelben Kartoffeln werden wir nach dem Urlaub ausbuddeln, einige köstliche Knollen landeten schon im Kochtopf.
Eine letzte dicke Saubohne pulte ich heute aus ihrer Schale. Sie hing an einer Art Plazenta, verbunden mit der sie nährenden Außenhülle.
Ihres Schutzes beraubt tat sie mir fast leid, denn nun ist auch sie den aktuellen Vorgängen in der Außenwelt ausgesetzt:
Während ich zu Beginn der Ferien alte Freund:innen in meiner Heimatstadt aus New York und aus Emsworth traf (natürlich coronakonform), zum Grillwürstchen eingeladen wurde, Käsekuchen mit Stachelbeeren und Marmorkuchen in den Ofen schob, Süßkartoffelsuppe kochte, im Freibad schwamm, ein Zelt auf- und wieder abbaute (nachdem eine Nachbarskatze unbemerkt hinein gepinkelt hatte), eine Strickjacke für den Herbst begann und einen Reiseführer über Userdom las, da verlangsamten sich für einen klitzekleinen kurzen Moment die Umdrehungen in Raum und Zeit - Frieden wurde spürbar, ganz kurz. Und dann war‘s damit auch schon wieder vorbei…
Extremwetterlagen in Deutschland entwurzelten Bäume, verwüsteten Häuser und ganze Landstriche, rissen Familien auseinander und töteten ihre Angehörigen. Hitzewellen und Brände im Süden, Italien, Griechenland, Spanien…der Klimawandel wird nicht nur spürbar, sondern plötzlich wieder auch zum Wahlkampfthema. Der eine lacht noch, die andere nicht mehr.
Erst ein Erdbeben und anschließend ein Hurrikan mit starken Regenfällen brechen über Haiti herein, wieder sterben sehr viele Menschen oder werden obdachlos. Am vergangenen Wochenende treibt ein junger Mann in der uns nahen Weser, während ihn Augenzeugen noch vom Ufer aus um Hilfe rufen hören und sehen, wie er mit den Armen winkt. Wenige Tage später wird er leblos gefunden. 
Afghanistan fällt wieder zurück in die blutigen Hände der Taliban, Menschen versuchen zu fliehen, Mädchenschulen müssen wieder schließen, Frauenrechte gibt es nicht mehr. 
Mir fehlen die Worte.
Ich blicke in die leere Bohnenhülle, die vor mir auf dem Tisch liegt.
Wie kann man dieses ganze große Elend in Verbindung zur Natur, dem Kleinen, dem Bunten, dem Schönen setzen? 
Kann man das? Darf man das? 
Beim heutigen Rundgang durch den Garten brummen diverse Insekten friedlich von einer Blüte zur anderen. Eine kleine Schnecke zeigt vorsichtig ihre Fühler, nachdem ich sie nach dem kurzen Regenschauer wärmend angehaucht hatte. 

„Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen
sich zu viel Kräfte, die sich wirr bestreiten:
Wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten? 
Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen? 

Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich?
Wer fasst in sich der Vogelflüge Raum?
Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich
wie jeder Zweig an einem jeden Baum? 

Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung
ins unbekannte Glück so rein, so reg? 
Und wer nimmt still und ohne Stolz die Steigung
und hält sich oben wie ein Wiesenweg?“

aus: Die Gedichte 1910 bis 1922
Der Rilke hilft, immer wieder.


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Sommeranfang, Fußbälle und andere Nützlinge

Nachdem der April und auch der Mai rekordverdächtig kühl waren, brachte der Juni viel Wärme und zum Sommeranfang auch den dringend benötigten Sommerregen, sodass scheinbar alle Pflanzen in doppeltem Tempo ihr Wachstum ankurbelten: Die ARTISCHOCKE sauste innerhalb weniger Wochen mit Raketenantrieb in über 1 Meter Höhe und bildete vier Blütenansätze aus, die sofort stark von Blattläusen befallen waren. Bevor wir uns Gedanken darüber machen konnten, ob man besser eingreifen oder abwarten solle, hatten sich auch schon Marienkäfer, Ohrenkneifer und Ameisen eingeschaltet und aufgeräumt. Beim nun befallenen Mutterkraut und dem Borretsch lassen wir ebenso den kleinen NÜTZLINGEN den Vortritt.
Die Kartoffeln und Erbsen zeigen sich als gute Nachbarn und teilen sich problemlos ihr Beet. Der geschenkte MUSKATELLERSALBEI überragt sogar die jungen Säulenapfelbäumchen, die wir im vergangenen November gepflanzt hatten. Leider haben sie in diesem Jahr noch nicht geblüht, aber das soll im ersten Standortjahr und nach dem strengen Winter nicht ungewöhnlich sein. Hoffentlich erholen sie sich von dem Stress und tragen dann im nächsten Jahr. Der Muskatellersalbei darf sich auch gerne weiter selbst aussäen und dann wie das Mutterkraut und die Fingerhüte hier und da im Garten wieder aufploppen.
Ein Fußball der Nachbarjungs hätte fast der mehrjährigen Lupine das vorzeitige Ende bereitet. Insgesamt scheinen die nachgeholte 
FUSSBALL-EM 2020, Freibäder (noch) mit Zugangsbeschränkungen, wieder aufgenommene Kulturveranstaltungen und die geöffnete Außengastronomie „Nützlinge“ für viele Menschen zu sein. Unser „gedanklicher Coronabefall“ bekommt durch die willkommenen Ablenkungen eine Pause, vorbei ist die Pandemie leider noch nicht.
Offenbar hatte ich nicht den richtigen Zeitpunkt zum Auslegen der Bohnen erwischt, denn von den drei verschiedenen Sorten haben es nur 10% der Saubohnen geschafft. „Gut so“, scheint sich die Zucchini unter dem Tipi zu sagen, „bleibt mehr Platz für mich!“
Vielleicht lege ich doch noch ein paar Feuerbohnen rund um die Haselnussstangen aus, nur so für‘s Auge…
Die Tomaten ranken fleißig an SCHNÜREN nach oben und auch die eingetopften Chilis nebenan setzen erste Früchte an.
Der Juni war gut zu uns, möge ihm ein freundlicher Juli mit FREIBADWETTER folgen.
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