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Ostsee, Nordsee und die Suche nach dem Flow

Der Garten rückte für mich in diesem Spätsommer und Herbst in den Hintergrund.
Ich fand nicht mehr wie zuvor den Zugang zu ihm. 
Die Blumen, Stauden und diverse Gemüsesorten wuchsen fast von alleine bis zur Erntereife.
Pflanzen haben auch ohne unser Zutun ihren eigenen Rhythmus. 
Stärker zog es mich in den letzten Wochen zum Wasser.
Meerwasser sollte es sein.
Ebbe und Flut sehen und hören. 
Salz schmecken.
Ich fuhr viele Kilometer über Autobahnen und Landstraßen, hoppelte langsam über Kopfsteinpflaster und genoss unterwegs wunderbare alte Baumalleen. Dichter dran an der Natur ist man natürlich auf dem mitgenommenen Fahrrad, das immer mehr Touristen für sich entdecken. Dann kann es auch auf Radwegen wie auf einer Fahrradautobahn zugehen…
Der Himmel über der See änderte nicht nur täglich, sondern fast stündlich seine Farben.
Wolken kamen und gingen und brachten dabei auch Regen, der an die Autoscheiben schlug.
Während ich von Ort zu Ort fuhr, offene Kirchen besichtigte, Menschenleben beobachtete, Möwen bei ihren Flugübungen zusah, keine Muscheln (dafür Masken) am Strand fand, suchte ich meinen Flow.
Der aus Ungarn stammende Psychologe und Glücksforscher Mihaly Csikzentmihalyi starb im Oktober 87jährig in Kalifornien. Er gilt als Schöpfer der Flow-Theorie. Der Zustand völliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit, bei dem das Zeitgefühl weitgehend verloren geht und andere elementare Bedürfnisse hintangestellt werden. 
Ich fand ihn beim Fotografieren der Alltagsmenschen von Christel Lechner.
Und beim Beobachten von Wildgänsen, die auf Salzwiesen rasteten. 
Beim Augenkontakt mit einem Schaf. 
Sowie beim Wahrnehmen der Regentropfen auf der letzten noch blühenden Rose am Wegesrand.
Ja kitschig, aber schön. 
Während ich diese Zeilen schreibe, fallen (wieder zu Hause) goldgelbe Blätter vor meinem Fenster. 
Fallen leise auf die Zeilen, fallen und bereiten die Winterruhe vor. 

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